Du musst nicht alles glauben, was Dein Kopf erzählt
Zu Beginn meiner Yogastunden sage ich oft einen Satz, der manche Teilnehmer zunächst etwas verwundert:
„Du bist nicht Deine Gedanken. Du bist der Beobachter.“
Im ersten Moment klingt das vielleicht seltsam. Natürlich habe ich Gedanken. Natürlich mache ich mir Sorgen, freue mich, ärgere mich oder plane den nächsten Tag.
Und genau darum geht es.
Yoga möchte uns unsere Gedanken nicht wegnehmen. Das wäre auch gar nicht möglich. Unser Gehirn denkt – das ist seine Aufgabe. Genauso wenig, wie wir verhindern können, dass Vögel über unseren Köpfen kreisen. Martin Luther hat es einmal treffend formuliert:
„Wir können nicht verhindern, dass die Vögel über unseren Köpfen kreisen. Aber wir können verhindern, dass sie Nester in unseren Haaren bauen.“
Was wir im Yoga üben, ist etwas anderes.
Wir üben wahrzunehmen, dass da gerade ein Gedanke auftaucht.
Das klingt zunächst unspektakulär, verändert aber erstaunlich viel.
Stell Dir vor, jemand antwortet nicht auf Deine Nachricht.
Was weißt Du wirklich?
Eigentlich nur eines: Es kam keine Antwort.
Alles andere entsteht in unserem Geist.
„Bestimmt ist sie sauer.“
„Ich habe etwas falsch gemacht.“
„Jetzt ist unsere Freundschaft vorbei.“
Innerhalb weniger Sekunden wird aus einer Tatsache eine ganze Geschichte.
Oder Du wachst morgens auf und spürst Deinen Rücken.
Die Tatsache lautet:
„Mein Rücken schmerzt.“
Unser Geist ergänzt vielleicht:
„Jetzt geht das wieder los.“
„Heute wird bestimmt ein schlechter Tag.“
„Das wird nie wieder besser.“
Auch das sind Geschichten. Vielleicht stimmen sie. Vielleicht auch nicht.
Yoga lädt uns ein, diesen Unterschied überhaupt erst wahrzunehmen. Denn der Gedanke ist nicht das Problem.
Das Problem beginnt oft in dem Moment, in dem wir vergessen, dass es nur ein Gedanke ist.
Hier kommt der Beobachter ins Spiel.
In dem Augenblick, in dem Du bemerkst:
„Interessant. Mein Geist erzählt gerade wieder eine Geschichte.“
…entsteht ein kleiner Raum.
Du bist nicht mehr vollständig mit dieser Geschichte verschmolzen.
Du beobachtest sie.
Und genau in diesem kleinen Raum liegt Freiheit.
Nicht die Freiheit, nie wieder unangenehme Gedanken zu haben.
Sondern die Freiheit, ihnen nicht automatisch folgen zu müssen.
Ich glaube, genau das ist einer der größten Schätze des Yoga. Es geht nicht darum, ein anderer Mensch zu werden.
Es geht darum, nach und nach die Identifikationen und Anhaftungen zu erkennen, die unser Geist ständig erschafft. Unsere Vorstellungen davon, wie wir sein müssten. Wie andere sein müssten. Wie das Leben sein müsste.
Je klarer wir sie erkennen, desto weniger bestimmen sie uns.
Und vielleicht beginnt genau dort das, was Yoga eigentlich meint:
Nicht, dass das Leben einfacher wird, sondern dass wir ihm freier begegnen können.
Eine kleine Übung für Deinen Alltag
Nimm Dir in den nächsten Tagen einen Moment Zeit, wenn Du merkst, dass Deine Gedanken loslaufen.
Frage Dich nur zwei Dinge:
Was weiß ich gerade wirklich?
Und dann:
Was erzählt mein Geist zusätzlich?
Du musst nichts verändern.
Es reicht, wenn Du den Unterschied bemerkst.
Denn vielleicht beginnt Freiheit genau dort.
So geht es weiter
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Meine 5-tägige Annäherung an Patanjali lädt Dich ein, einige der zeitlosen Gedanken des Yoga ganz alltagsnah kennenzulernen – verständlich, ohne Vorwissen und mit Impulsen, die Du direkt in Dein Leben mitnehmen kannst.